Der Milford Sound – Ohne Moos nix los

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Während der ganztägigen Busfahrt vom Franz Josef Glacier nach Queenstown habe ich genügend Zeit, mein Gletscherabenteuer in Gedanken Revue passieren zu lassen. Kaum bin ich in Queenstown angekommen, entfliehe ich der Stadt auch schon wieder. Das liegt natürlich nicht an Queenstown und schon gar nicht an der bezaubernden Landschaft, sondern viel mehr an dem gebuchten Tagesausflug zum Milford Sound. Der Milford Sound ist ein 15 Kilometer langer Fjord mit 1600 Meter hohen Felswänden und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Eigentlich befindet er sich nur eine Stunde von Queenstown entfernt, doch leider hat sich ein Haufen Berge dazwischen gequetscht und es liegen deshalb fünf Stunden Busfahrt pro Strecke vor mir. Der Ausflug wird also einen ganzen Tag dauern und um 7 Uhr morgens geht es bereits los. Als mich mein Wecker aus dem Tiefschlaf reißt, frage ich mich kurz, warum ich mir das eigentlich antue und nicht einfach mal ausschlafe. Aber ich bin nur wenige Wochen in Neuseeland und will natürlich keine Zeit mit Schlafen verschwenden!

IMG_2491-001Mein Vorhaben, einfach etwas im Bus zu schlafen ist dann aber doch etwas naiv. Wie eigentlich überall in Neuseeland ist das Sprichwort „Der Weg ist das Ziel“ bei diesem Ausflug sehr passend.

Die Landschaft ist wunderschön und ich beobachte die vorbeiziehenden Wolken und schneebedeckten Bergspitzen, während wir die 295km der Milford Road entlangfahren.

An besonders beeindruckenden Stellen im Fjordland National Park machen wir kleine Stopps und besichtigen die „Mirror lakes“, kleine Wasserfälle und einen mit Farnen und Moosen bewachsenen Zauberwald.

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Schließlich durchfahren wir den einspurigen 1200 Meter langen Homer Tunnel, der 20 Jahre lang gegraben wurde und sich in eine mit Regenwald bedeckte Schlucht öffnet, die zum Milford Sound führt.

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IMG_2606-001Endlich am Fjord angekommen hüpfen wir auf ein kleines Boot und die zweistündige Tour in Richtung Tasmanisches Meer beginnt.

Beeindruckende Felswände ragen über unserem Boot auf und an den Hängen wächst ein gemäßigter Regenwald, der die Felsen lebendig wirken lässt. Die Wolken klammern sich wie Ertrinkende an die Berge. Sie bewegen sich langsam vorwärts und verleihen dem Fjord etwas sehr Mystisches.

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IMG_2625-001Jeder Regenfall kreiert Dutzende vorübergehende Wasserfälle an den umgebenden Steilhängen, von denen einige eine Höhe von 1000 Metern erreichen. Wir fahren ganz nah an die Wasserfälle heran und als der Wind dreht gehe ich wohlweislich unter Deck, denn auf einmal pladdert das Wasser nur so auf uns runter.

So schön diese Wasserfälle auch sind, desto desaströser ist allerdings der Effekt den das Regenwasser auf den Regenwald haben kann: Es löst regelrechte Baumlawinen aus, wenn Teile des Regenwaldes abrutschen.

 

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Der Hintergrund: Auf den sehr steilen, fast senkrechten Felswänden wachsen Bäume, die keine Erde als Grundlage haben, sondern ein Wurzelgeflecht durch das dort wachsende Moos hindurchbilden. Es stimmt also: Ohne Moos nix los! Das Problem hierbei ist, das dieses System sehr instabil ist. Wenn einer der Bäume umstürzt, reißt er alle anderen mit sich in die Tiefe.

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Das Boot biegt um eine Ecke und plötzlich liegt ein Felsen vor uns, auf dem sich ein Haufen junger Seelöwen sonnt. Sie haben sich die perfekte Stelle ausgesucht, denn hier ist es sehr windig, weshalb sie nicht von den Sandfliegen gequält werden. Die Kleinen hassen diese Viecher fast genauso sehr wie wir Menschen!

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Wir fahren bis zur Meeresbucht und auf dem Rückweg bricht die Sonne zwischen den Wolken hervor. Der komplette Fjord erstrahlt. Der Wind reißt an meinen Wimpern, als wollte er mir sagen, dass ich den Fjord nicht einfach nur ansehen, sondern wahrnehmen soll.

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Das Wasser des Fjordes glitzert in verschiedenen Verfärbungen.  Der Skipper erklärt mir, dass hier zwei Schichten aufeinander treffen. Das schwerere salzhaltige Meerwasser wird von einer Schicht Süßwasser (Regenwasser) überdeckt. Dieses Wasser enthält viele aus dem Boden gelöste Gerbstoffe, weshalb im darunter liegenden Salzwasser Lichtverhältnisse herrschen, die es sonst nur in weit größeren Tiefen gibt.

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Ich spüre wie mein Gehirn entspannt, während ich hypnotisch dieses scheinbare Tiefseewasser beobachte. Wie kann ein Ort nur so schön sein?

Das hier ist der perfekte Platz zum Meditieren. Meine Seele saugt sich wie ein Schwamm mit dieser Schönheit voll und ich erstelle mir gedanklich eine Verknüpfung zu genau dieser Erinnerung, zu genau diesem Augenblick, diesem entspannten Glücklichsein –  damit ich an zukünftigen stressigen Tagen hierhin zurückflüchten kann.

Bist du schon einmal durch ein Fjord durchgefahren? Was war der beeindruckendste Ort an dem du je warst?

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