Die Stadt der Gegensätze

Lesezeit: 4 Minuten

Bevor ich nach Mexiko geflogen bin, wusste ich zugegebenermaßen nicht wirklich viel über das Land und seine Kultur. Ich kann kein Spanisch und außer meiner Liebe zum mexikanischen Essen und meinem Interesse an den Ruinen der Azteken verband mich nichts mit Mexiko.
Insgeheim hatte ich ein sehr altmodisches Bild im Kopf: Mexikaner, die auf Eseln reiten, Sombreros tragen und gegen einen Kaktus gelehnt ein Nickerchen machen. Natürlich weiß ich, dass das bloß ein stereotypes Bild ist und doch war ich überrascht, wie modern Mexiko City tatsächlich ist.
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Der Anflug auf diese Stadt präsentierte mir ein überwältigendes  Häusermeer. Eine faszinierende Mischung aus Erster und Dritter Welt, kultureller Schmelztiegel, teilweise supermodern oder sehr alt, superreich oder sehr arm. Mexiko City ist definitiv eine Stadt der Gegensätze. Hier findet man Hochhäuser, Paläste aus der Kolonialzeit, Häuser im Artdeco-Stil, wunderschöne Alleen, Parks und bunte Fantasie-Kunstwerke, aber auch Verkehrschaos, zerfallene Häuser und Lärm auf den Straßen.
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Mexiko City wurde früh durch indianische Völker, dann durch die Spanier und inzwischen immer mehr durch die Nachbarschaft zu den USA geprägt. Die Spuren all dieser Entwicklungen sind sichtbar. Ähnlich wie in den USA werden überall Mini-Dienstleistungen (Parkeinweiser, Supermarkteinkauf-in-Tüten-Einpacker) angeboten  und amerikanische Supermarktketten wie Walmart sind längst in Mexiko angekommen. Was allerdings nach einer Weile sehr nervt, sind die Leute, die einem an roten Ampeln oder in dickem Stau die Autoscheiben waschen wollen (und einfach ungefragt damit anfangen!) oder einem Kleinigkeiten wie Essen und Krimskrams bis hin zu Klopapier verkaufen wollen und dabei fast überfahren werden.

Innovation vs. Rückständigkeit
Die Stadt ist voller Malls und Hochhäuser (obwohl es sich um ein Erdbebengebiet handelt) und es wird sehr viel neu gebaut, renoviert und verschönert. Viele Straßenlaternen werden außerdem mit Solarenergie betrieben und Parkhäuser sind mit Sensoren ausgestattet, die einen automatisch zu einem freien Platz leiten. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind auch erstaunlich gut ausgebaut. Der Métro-Bus hat überall eine eigene Spur, damit er am Stau vorbeisausen kann und die U-Bahn ist sehr gut vernetzt und günstig (Sie ist leider auch sehr voll. Ab 10:00 Uhr morgens ist die Bahn relativ leer, aber ab 18:00 herrscht dank der Rush Hour absolutes Gedränge). In manchen Bereichen ist Mexiko City allerdings etwas rückständig:
Hygiene: Man sollte das Leitungswasser nicht unbedingt trinken. Sehr auffällig war auch, dass in den meisten Vierteln keine Mülleimer zu finden sind. Die einzelnen Haushalte haben keine Mülltonnen, sondern müssen ihren Abfall zu bestimmten Zeiten zum vorbeifahrenden Müllwagen bringen. Unter diesen Umständen ist die Stadt allerdings erstaunlich sauber!
Tourismus : Man sollte definitiv etwas Spanisch können da man wirklich überall auf Spanisch angequasselt wird – sei es im Restaurant, am Flughafen oder in einem Museum. In Museen werden noch nicht einmal alle Informationstafeln ins Englische übersetzt. Im Hop-on-Hop-off „Turibus“ wurde auch extrem wenig erklärt und der Bus hat sich 3,5 Stunden durch den Stadtverkehr gequält. Wenigstens konnte ich auf diese Weise einige gute Fotos machen.
Korruption: Bei kleineren Dingen und Behördengängen ist Bestechung möglich. Man sollte allerdings nicht darauf zählen, wenn man alkoholisiert Auto fährt. Wer in eine Kontrolle gerät und erwischt wird, muss für 48 Stunden in eine Ausnüchterungszelle. Dabei gibt es keine Ausnahmen! Die Kontrollen werden sogar gefilmt, um mögliche Bestechungen zu verhindern.
Strom: Als ich abends im Viertel „Condesa“ (das bekannt ist für seine Parks, Cafés, Restaurants, Bohemians und Intellektuellen) einen wunderbaren Tequila trinken war, fing es ganz untypisch für den Februar an zu schütten und es gab einen riesigen Stromausfall im gesamten Viertel. Die Stromleitungen sind alle oberirdisch, verlaufen durch Bäume durch und hängen quer über den Straßen und wenn es stürmt schlagen Äste und Palmwedel gegen die Leitungen. Die gesamten Ampelanlagen sind ausgefallen und das mexikanische Autochaos inklusive Hupkonzert war vorprogrammiert. Dazu kommt, dass die Leute beim ersten Regen nach Monaten besonders vorsichtig fahren, weil der ganze Smog einen Ölfilm auf den Straßen bildet. Mexiko hat sich also, trotz der Modernität, einen gewissen chaotischen Charme erhalten.

Mein Fazit: Deutsche Großstädte sind gegenüber Mexiko City kleine Dörfer. Die Stadt ist eine Metropole – chaotisch und faszinierend zugleich. Definitiv einen Besuch wert. :)

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Ein Kommentar

  1. Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, schaue ich direkt nach, ob wieder ein wundervoller Bericht eingestellt wurde von dir……und jaaaaaa….so fängt der Tag wirklich gut an, wenn du mich so an deinem Leben teilhaben läßt. Danke Schatz!

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