Warum Kaikoura der beste Ort in Neuseeland ist, an dem du mit Delfinen schwimmen kannst

Lesezeit: 8 Minuten

Meine Haare sind nass, mir ist kalt und ich bin völlig erschöpft, aber ich strahle wie ein Honigkuchenpferd auf Drogen. Das war das Schönste was ich je erlebt habe!


Aber zurück zum Anfang: Gerade erst in Kaikoura angekommen (und dank eines unfreundlichen Busfahrers nach einem langen Fußmarsch) packe ich schnell meinen kleinen Rucksack und sprinte an der Küste entlang, um mir einen meiner größten Träume überhaupt zu erfüllen: Ich werde heute mit Delfinen schwimmen!

Kaum im Dolphin Encounter Center angekommen stecke ich bereits in einem Neoprenanzug, dann wird noch ein kurzer Film mit Sicherheitsinformationen gezeigt und ein paar Minuten später sitze ich auch schon erwartungsfroh mit acht anderen aufgeregten Menschen auf einem kleinen Katamaran.

Kaikoura wird in Neuseeland als der beste Ort angesehen, an dem man im offenen Meer mit Delfinen schwimmen kann.

IMG_2933-001Hier kommen gemeine Delfine, Pottwale, Killerwale, Pinguine, Seehunde, Seeelefanten und Albatrosse vor. Aber vor allem wimmelt es hier nur so von Dusky Dolphins, den Schwarzdelfinen.

Der Grund davor ist ein Unterwassercanyon direkt vor der Küste Kaikouras. Bereits nach 1,6 Kilometern fällt der Festlandsockel steil ab und erreicht im Kaikoura-Canyon eine Tiefe von bis zu zwei Kilometern. Durch seine Tiefe und günstigen Strömungsverhältnisse bietet der Canyon perfekte Bedingungen für maritimes Leben direkt vor der Küste.

In diesem Gebiet leben circa 2000 Dusky Dolphins, doch der Skipper meint, dass es 15-45 Minuten dauern kann, bis wir auf eine größere Gruppe treffen. Während er auf der Suche ist, beobachten wir die knapp über das Wasser gleitenden eleganten Albatrosse. Mit einer Spannweite von zwei bis drei Metern sind das wirklich riesige Vögel. Wir düsen an Seehunden vorbei, die uns auf dem Rücken liegend zuwinken, bevor sie wieder untertauchen. Nach nur 10 Minuten entdecken wir bereits die ersten Delfine und dann sind wir plötzlich umzingelt.

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Wir sind auf eine Gruppe von 200 Delfinen gestoßen.

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Also heißt es: Schnell die Flossen anziehen, Haube auf, Maske an und Schnorchel zurechtrücken. Ich kann es noch gar nicht fassen, dass ich gleich wirklich mit Delfinen schwimmen werde – das ich das wirklich mache!

Wir sitzen am Heck mit den Flossen halb im Wasser und warten auf das Tuten des Skippers als Signal, dass der Motor ausgeschaltet ist. Blitzschnell springen wir zwischen den Delfinen ins Wasser. Dass ich mal freiwillig mitten im offenen Meer schwimme, hätte ich nie gedacht.

Das Wasser des pazifischen Ozeans ist zum Glück nicht so kalt wie ich es befürchtet hatte – vielleicht lenken mich die Delfine aber auch einfach von der Kälte ab. Kaum ist mein Kopf unter Wasser, da düsen, nur wenige Zentimeter entfernt, ein paar der wunderschönen grau-weißen Dusky Dolphins an mir vorbei.

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Wie man am besten mit Delfinen schwimmt

Da es sich um wilde Delfine handelt, die nicht trainiert oder gefüttert werden, um sie anzulocken, müssen wir Menschen sie bespaßen und interessante Bewegungen und Geräusche machen. Der Skipper erklärt uns, dass wir uns „dolphin-like“ verhalten sollen, also krame ich, mit den Armen an den Körper gepresst, meine verstaubten  Schwimmkünste im Delfin-Stil hervor und probiere verschiedene Delfingeräusche aus. In der Ferne kann ich die anderen Schnorchler hören und muss lachen, (was beim Schnorcheln keine ganz so gute Idee ist) weil es wie eine melancholische Schweineherde klingt.

Meine  „Gesangskünste“ zeigen Wirkung und plötzlich schwimmen ungefähr 25 Delfine um mich herum. Sie umzirkeln mich und ich drehe mich mit ihnen im Kreis, bis ich mich nicht mehr schneller drehen kann. Es ist ein unglaubliches Gefühl, diesen intelligenten Tieren so nahe zu sein und mit ihnen zu spielen! Ich frage mich, was sie wohl denken als sie mich beobachten und meinen Geräuschen und Klängen zuhören. Bin ich ein interessantes „Zootier“ für sie oder halten sie mich für einen ausländischen Delfin mit Sprachproblemen?

Ein Delfin schwimmt so nah an mir vorbei, dass ich ihn versehentlich berühre (was wir eigentlich nicht machen sollen, da es schließlich wilde Tiere sind). Die Haut ist kalt-warm-glatt und ich kann die Furchen einer alten Kampfverletzung spüren und sehen.

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Dann bin ich den Delfinen, die 40 km/h schnell werden können, offenbar zu langsam, also schwimmen sie weiter. Als ich auf der Suche nach weiteren Delfinen vor mich hinschnorchel, fallen mir plötzlich kleine merkwürdige Tierchen auf. Laut Skipper sind es Zellentierchen – kleine Striche mit leuchtend blauen Köpfen – die sich zu kleinen Ketten zusammenschließen. Da ich im Wasser noch nicht weiß, um was es sich handelt, fasse ich diese Stäbchen lieber nicht an, sondern beobachte fasziniert, wie sie kleine Formationen bilden und scheinbar ziellos vor sich hindümpeln.

In genau diesem Augenblick muss ich an den Sinn des Lebens denken. Ich bin um die halbe Welt gereist, um unter anderem im offenen Meer mit Delfinen schwimmen zu können und schnorchel an Neuseelands Küste suchend vor mich hin, während ich merkwürdige Geräusche mache. Und dann entdecke ich diese kleinen Tierchen, die sich garantiert keine Gedanken über ihre Existenz machen oder über die Zukunft nachdenken. Was für ein sorgenfreies aber auch zielloses Leben das wäre. Und was für unnötige Zweifel und Sorgen uns Menschen im Kopf herumschwirren. In genau diesem Augenblick wird mir klar, wie sehr ich diese Weltreise bisher genieße und wie wichtig sie für mich ist – wie klein meine Sorgen eigentlich sind. Mir läuft ein Schauer über den Rücken.

Ich stecke den Kopf aus dem Wasser und bin verwundert, wie weit ich vom Katamaran entfernt bin. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich mit den Delfinen gespielt habe und suchend herumgeschnorchelt bin, aber mit den Flossen und dem Kopf unter Wasser kann man anscheinend relativ einfach weite Strecken zurücklegen. Da wir höchstens 50 Meter vom Boot wegschwimmen sollen, mache ich mich auf den Rückweg.

Bald darauf ertönt auch schon das Signal, dass wir wieder an Bord kommen sollen, damit wir die ständig vorwärts schwimmende große Gruppe der Delfine einholen können. Wir sitzen also wieder auf den kleinen Treppenstufen am Heck und lassen die Flossen baumeln. Als wir die Delfine erreichen, zischen sie am Boot vorbei und schwimmen auf der Heckwelle, als wollten sie uns begrüßen.

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Wie die Profis springen wir erneut ins Wasser und das Spiel geht von vorne los. Diesmal traue ich mich sogar, zu tauchen. Ich hole tief Luft, kämpfe gegen den Auftrieb des Neoprenanzugs an und schwimme ein paar Meter in die Tiefe. Meine Anstrengung wird belohnt, denn ein Delfin dreht sich spiralförmig mit mir in die Tiefe.

Dusky Dolphins können bis zu 8 Minuten die Luft anhalten. Sie ziehen es allerdings vor, circa alle 40 Sekunden zu atmen, was mir sehr entgegen kommt. Ich tauche auf und muss mit dem letzten Rest Luft noch einmal pusten, um das Wasser aus dem Schnorchel zu bekommen. Meine Lunge fühlt sich an, wie die Definition eines Vakuums. Ganz schön anstrengend.

IMG_2948-001Insgesamt springen wir an fünf verschiedenen Stellen ins Wasser und schwimmen mit den Delfinen. Öfter darf man nicht ins Wasser, da die Delfine geschützt werden und nicht zu oft gestört werden sollen. Deshalb darf man auch nur auf kleinen Booten rausfahren und nur als Kleingruppe schwimmen gehen, was auf jeden Fall sehr angenehm ist.

Nach der letzten Runde Schwimmen mit den Delfinen ziehen wir uns ächzend und müde aus dem Wasser, duschen uns kurz mit heißem Wasser ab, klettern aus den Anzügen und ziehen uns rasend schnell an. Denn der Ausflug ist noch lange nicht vorbei und die Delfine scheinen sich für unsere Gesangseinlagen bedanken zu wollen. Sie führen um das Boot herum ein paar Kunststückchen vor, springen in die Luft, machen Side slaps und Backflips und wunderbar akrobatische Bauchplatscher.

Der Skipper versorgt uns mit heißer Schokolade und Keksen und wir genießen die friedliche Stimmung, während wir versuchen, die Sprünge mit der Kamera einzufangen. Nach insgesamt 2,5 Stunden auf dem (und im) Wasser, machen wir uns auf den Rückweg.

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Fazit
Zurück im Hostel trinke ich beim Kochen einen heißen Tee und genieße mein Essen,  während ich gute Musik höre. Von meinem Platz aus kann ich direkt auf das Meer blicken und gucke zu, wie die Sonne langsam untergeht und sich der Himmel rot färbt. Das ist am Ende meiner Reisezeit hier in Neuseeland ein absolut perfekter Tag gewesen. Als wollte es mir das Land absolut unmöglich machen, weiterzufliegen.

Liebes Neuseeland, ich komme wieder! Und jetzt hör bitte auf, so schön zu sein, sonst zerplatzt mein Herz, wenn ich im Flieger nach Kambodscha sitze. Aber ein Tag in Christchurch liegt ja noch vor mir. Vielleicht fällt mir der Abschied dann leichter?

Bist du schon einmal mit Delfinen geschwommen oder steht es auf deiner Bucket List?

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6 Kommentare

  1. Hallo Lisa,

    das ist eine ganz wunderbare und tolle Geschichte! Ich habe letztes Jahr auf Teneriffa das erste Mal Delphine live gesehen und war total begeistert, sogar den Tränen nah :) Mit Delphinen zu schwimmen jedoch muss atemberaubend sein! Und beängstigend zugleich! Ich meine, wir sprechen hier von wilden Tieren. Und dennoch steht es auf meiner To Do Liste weit oben! Weiterhin würde ich gerne im Kajak neben einem Orca sitzen  Ich werde vor Freude innerlich schreien und mir wahrscheinlich gleichzeitig in die Hosen machen! Weißt du, wo man in Europa oder in der Nähe von Europa günstig mit Delphinen schwimmen kann? Kajak und Orca’s funktioniert soweit ich informiert bin in Kanada sehr gut.

    Viele Grüße,
    Lisa

    • Hallo liebe Namensverwandte :-)
      Dankeschön! Das klingt auch nach einem wunderbaren Erlebnis auf Teneriffa. Irgendetwas haben Delfine wohl an sich, dass sie uns Menschen faszinieren und berühren. In Neuseeland mit ihnen zu schwimmen war wirklich grandios und genau wie du geschrieben hast, auch ein wenig beängstigend. Als ich den Delfinen ganz nahe war, hat mich die Präsenz und Verspieltheit einfach überwältigt!
      Also Kaikoura ist definitiv der perfekte Ort dafür und auch Orcas kann man da zu Gesicht bekommen. Nur beides gleichzeitig geht nicht. Nachher verwechselt der Killerorca einen noch mit einem leckeren Delfinhäppchen….
      Was mit Delfinen schwimmen in Europa angeht, kenne ich mich nicht so sehr aus, aber ich weiß, dass eine Freundin das vor einigen Jahren auf einer der portugiesischen Azoreninseln gemacht hat (was allerdings ziemlich teuer war, weil sie dort strenge Auflagen haben und nur zwei Personen gleichzeitig vom Boot ins Wasser dürfen). Aber google einfach mal. Vielleicht hat sich das ja geändert. Oder flieg einfach nach Neuseeland ;-)
      Ich wünsche dir jedenfalls, dass du dir deinen Traum erfüllen kannst! Und falls du noch mehr Anregungen brauchst, wirf mal einen Blick auf meine „Reisetraumwunschliste“!
      Viele Grüße,
      Lisa

  2. Oh man, entschuldige bitte meine Rechtschreibung. Ich schaffe es immer wieder Englisch und Deutsch zu mixen, sodass aus Delfinen eben Delphine werden… sorry ;)

    • haha das passiert mir auch öfters! Vor allem wenn man viel reist und dabei andere Sprachen spricht, hapert es danach manchmal etwas mit der Rechtschreibung.

  3. Liebe Lisa,

    vielen Dank für Dein tollen report. Ich bin gerade dabei, unsere Reise nach NZ zu plannen. Kannst Du mir bte schreiben, mit welchem Boot/ Preis du gefahren bist? Es sind immer viele Angebote deswgen sind Erfahrungswerte Gold wert.

    Liebe Grüsse

    Ludmila /Teneriffa

    • Liebe Ludmila,

      dann wünsche ich dir schon mal super viel Spaß in Neuseeland! Den Ausflug habe ich mit Encounter Kaikoura gemacht und er hat umgerechnet ca. 100€ gekostet. Falls du Anregungen für weitere Ausflüge und deren Kosten brauchst, dann guck dir mal meine Kostenaufstellung für Neuseeland an.

      Liebe Grüße
      Lisa

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