Rotorua – Das stinkt zum Himmel

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Rotorua durchweht ein gewisser Geruch, der die Stadt unverwechselbar macht, denn sie ist von Geisiren und Schlammbädern durchzogen. Überall blubbert und dampft es. Durch die hohe thermale Aktivität werden die meisten Häuser Rotoruas durch Erdwärme beheizt.

Generell ist Neuseeland sehr fortschrittlich, was die Energie betrifft, denn sie wird aus Flüssen, Wasserfällen und durch Windenergie gewonnen. Atomenergie wird nicht eingesetzt.

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Mein Hostel liegt direkt neben dem Kuirau Park und wenn der Wind ungünstig steht, zieht eine Nase voll Schwefelgestank ins Zimmer. Rotorua ist also kein Ort, an dem ich länger bleiben möchte, aber Neuseelands geothermale Seite will ich trotzdem erkunden.

Die geothermale Tour

Die großen Parks liegen einige Kilometer entfernt und sind nicht mit Bussen erreichbar, weshalb ich eine Tour buchen muss. Dies ist einer der Augenblicke, in denen ich mir wünsche, ich hätte ein Auto gemietet, aber alleine ist das einfach nicht bezahlbar. Mit meiner Tour habe ich allerdings sehr großes Glück, denn ich bin an dem Tag die Einzige, die gebucht hat und bekomme dadurch eine Privatführung vom Maori Huru.

Wir starten am Lake Rotorua (der mit seinen 42 Kilometern Umfang die perfekte Kulisse für einen jährlichen Marathon bietet) und fahren vorbei am größten von Menschenhand geschaffenen Wald der Südhalbkugel. Ich dachte eigentlich immer, hier in Neuseeland wäre alles „echte Natur“ aber dieser Wald entstand während der Großen Depression, um die Wirtschaft anzukurbeln. Der kalifornische Monterey Kiefer liebt die Vulkanerde und wächst hier 2,5 Mal schneller als in den USA, was die neuseeländische Holzproduktion sehr erfolgreich macht.

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Das Thermalgebiet Wai-o-Tapu erstreckt sich über 18 Quadratkilometer, doch man kann nur einen kleinen Teil besichtigen. Das ganze Gebiet ist übersät mit kollabierten Kratern, heißen und kalten Seen, Schlammtümpeln, dampfenden Erdspalten und einheimischen Pflanzen.

IMG_1952-001IMG_1931-001Die Krater haben so wundervolle Namen wie Champagnerpool, Vogelnest oder Teufelsbad und das besonders Schöne an dem Thermalgebiet ist der Farbenreichtum der Seen. Die Landschaft sieht aus, wie der Spielplatz eines Malers, mit den Farben Gelb (Schwefel),  Orange (Antimonsulfide), Weiß (Siliziumoxid), Grün (Arsensulfide), Purpur (Mangan), Schwarz (Schwefel und Kohlenstoff) und Rot und Braun (Eisenoxid,-hydrat).

IMG_1934-001IMG_1941-001Der Weg durch den Park führt zunächst über den Waiotapustrom und dann zu den geothermalen Kratern. Die Krater haben Durchmesser bis zu 50 Metern und sind bis zu 20 Meter tief. Einige enthalten siedende Quellen und fast alle zeigen Schwefelablagerungen aus dem Dampf.

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Die meisten Krater sind dadurch entstanden, dass zunächst die Bims-ablagerungen im Untergrund durch Säuren aufgelöst wurden und später der Dachbereich zusammenbrach.

Weiter geht es zum Lady Knox Geisir, wo bereits eine Menge Touristen auf den Ausbruch warten. Zu meiner Überraschung wird dieser Ausbruch allerdings von einem Park Ranger erzeugt, der Waschmittel in den Schlund des Geisirs schüttet, da der natürliche Ausbruch zu unregelmäßig stattfindet und man die Touristen nicht warten lassen möchte. Das ist zwar ein netter Service, fühlt sich aber nicht wirklich echt an.
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Der schönste Teil der Tour ist schließlich der Ausflug zum Waimangu Volcanic Valley. Dort wandern wir durch einen uralten Wald den Berg hinunter, während uns Fantails, Bellbirds und Pukekos mit ihren Vogelgesängen begleiten.

IMG_2023-001Im Tal erreichen wir den atemberaubenden Bratpfannensee, bei dem es sich, mit einer durchschnittlichen Tiefe von sechs Metern und einem Wasservolumen von 200.000 Kubikmetern, um die größte heiße Quelle der Welt handelt.

IMG_2038-001Besonders interessant ist auch der unwirklich blaue Inferno-Krater-See, der sich im hinteren Teil des Tals versteckt. Der Wasserstand des Sees folgt komplizierten und merkwürdigen Zyklen, denn er verhält sich wie ein Geisir. Meistens fließt das Wasser zwei bis drei Tage lang ab und der Wasserspiegel des Sees senkt sich um acht Meter. Dann füllt sich der See innerhalb von drei bis vier Wochen wieder, bleibt ein paar Tage konstant, nur um dann erneut wieder abzufließen. Auf diese Weise wird das Wasser alle 38 Tage komplett ausgetauscht und es wirkt, als wäre der See eine Lunge, durch die der Berg langsam atmet.

IMG_2052-001Während dieser Zyklen schwankt die Wassertemperatur zwischen 35-75°C und die Farbe wandelt sich von Grau zu strahlendem Blau. Doch auch wenn der See wie ein fantastischer Pool aussieht bleibe ich doch lieber im Trockenen, denn das Wasser ist stark säurehaltig.

IMG_2048-001Mein Tourguide Huru erzählt mir, dass es in diesem riesigen geothermalen Gebiet ein großes Goldvorkommen gibt. Doch wer jetzt denkt, dass hier demnächst die Bagger anrücken, der täuscht sich gewaltig. Die Parks gehören einem Maoristamm (Hurus Bruder ist der Häuptling), der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Landschaft zu schützen. Und mal ehrlich, wer wäre gerne für die Zerstörung dieser wunderbaren Seen und Krater verantwortlich? Mir gefällt es jedenfalls sehr, dass nicht überall auf der Welt das Geld regiert.

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Ich freue mich schon auf den nächsten Tag, denn dann werde ich einem Maoridorf einen Besuch abstatten und diese naturverbundenen Menschen etwas genauer kennenlernen! Für heute stelle ich mich aber erst einmal eine Weile unter die Dusche, denn so schön diese Landschaft auch ist: Nach Kratern riechen möchte ich nicht. ;-)

Warst du schon einmal an einem wunderschönen Ort, der allerdings einen kleinen negativen Aspekt hatte?

 

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